Die Reise nach Maulle au Mer

 
www.maulle-au-mer.de

November 2014
1234
5678
9101112
13141516
17181920
21222324
25262728
2930
Flugpost
Vorwort
Impressum

Das Bad im Walde

Der weiche Waldboden federt meine wiegenden Schritte. Würzige Luft füllt meine Lungen, Lerchen singen, Bienen summen.

Wie Goldgeschmeide glänzt der Weiher, als ich die sonnenwarme Waldlichtung erreiche. Gelbes Gras umgrenzt die Ufer, rotes Laub schmückt braunbezweigte Büsche, die aus blauem Strauchwerk wachsen. Grüne Blätter großbestammter Bäume bereichern des Waldsees Farbenspiel.

Die nahe Lackfabrik ist nur als dumpfes Lärmen zu erlauschen. Mitunter entsteigen Luftblasen der Mitte des blanken Wasserspiegels und senden Regenbogenschlieren an die Ränder des Sees.

Ich steige aus meinen Schuhen und wate durchs Gewässer. Das kühle Nass umklammert meine Glieder, ein prickelnder Schmerz durchflutet die Haut.

Als ich die Uferböschung hinaufschreite, habe ich keine Beinbehaarung mehr, aber bunt geringelte Waden.


25. November in Maulle au Mer

 

Der Weiher

"Natürlich wollte niemand eine Farbenfabrik mitten im Naturschutzgebiet, neben einem beliebten Badesee. Aber die Arbeitsplätze!"

"Der Betreiber hatte also mit Abwanderung gedroht, wenn ihm die Betriebserlaubnis nicht erteilt würde?"

"Ja, und schließlich war das Unternehmen schon seit Jahrzehnten dort ansässig."

"Allerdings nicht als Lackproduzent, sondern als Landschaftsgärtnerei."

"Die Umorientierung war notwendig geworden, weil sich die Rahmenbedingungen geändert hatten. Eine flexible Fokussierung auf neue Absatzmärkte ist in einer globalisierten Wirtschaft unabdingbar. Außerdem versprach man, alle Arbeiter umzuschulen und neue einzustellen."

"Wie nahm die Bevölkerung den Verlust des Badesees auf?"

"Wir hatten ja als Ersatz das neue Hallenbad gebaut. Dass es draußen im Industriegebiet auf wenig Resonanz stoßen würde, war damals nicht abzusehen. Aber der Abriss hat immerhin der Bauwirtschaft zu Aufträgen verholfen."

"Zahlt die Fabrik für eventuelle Umweltschäden, die sie verursacht?"

"Selbstverständlich. Das ziehen wir pauschal über die Gewerbesteuer ein, sobald diese anfällt. Die wird allerdings in den ersten 25 Jahren erlassen. Wir betreiben da aktive Wirschaftspolitik."

"Wie viele Beschäftigte hat die Farbenfabrik Weiher zur Zeit?"

"Nach der letzten Modernisierung, wo alles auf Roboter umgestellt wurde, noch vier. Und Direktor Weiher, natürlich."

"Natürlich."

Copyright: Text von Michael Budde, Fotos von IMSI