Die Reise nach Maulle au Mer

 
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Juli 2014
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Des Nachts

Das schwarze Kleid der Nacht ist bestickt mit Pailletten funkelnder Sterne, in deren Mitte ein diamantener Mond prangt. Dunkelheit durchschreitend, fülle ich meine Lungen mit der kühlen Luft nächtlicher Stunden.

Des Nachts herrscht Stille in Maulle au Mer. Man hört so wenig man sieht. Es gibt keine Straßenlaternen, Autos fahren nicht mehr und aus den Wohnungen dringt weder Licht noch Laut. Nur fahler Mondenschein weist mir den Weg in den Wald, heraus aus der Stadt und einen Hügel hinauf, der inmitten hohen Baumbestandes ein Hüttendorf birgt.

Es soll dies der Wohnort der Sonnenleugner sein, einer obskuren Sekte, über die ich einen Artikel schreiben will. Tagsüber verließen sie ihre Behausungen nicht, da es Häresie sei, der optischen Täuschung des Sonnenlichts zu erliegen. Erst um Mitternacht würden sie im Wald aktiv, gingen der Forstwirtschaft nach und hielten okkulte Messen ab, in denen sie den Aberglauben der Sonnenexistenz verdammten.

So zumindest hatte es mein Informant mir weismachen wollen, doch als ich die avisierte Anhöhe erreiche, entdecke ich dort im nebelbrechenden Licht eines Scheinwerfers nur Sicherheitsmänner des Bürgermeisters, die mit Fackeln und Kanistern vor Reisighaufen hantieren.

Ich vermute sogleich eine Falle und schleiche rechtzeitig davon. Auf dem Heimweg verfolgt mich Brandgeruch und ein Knistern dringt aus der Tiefe des Waldes.


28. Juli in Maulle au Mer

 

Brief von Marie

Hallo, Mausebär!

Oder soll ich lieber sagen "Saubär"? Denn eigentlich waren wir heute Nacht verabredet, aber nein: Keine Spur von Dir! Zu Hause warst Du auch nicht. Und jetzt liegst Du wieder hier auf Deinem Zimmer und bist nicht wachzukriegen.

Da ist aber eine ziemlich gute Entschuldigung fällig, zumal ich auch meine Freundin Mia nicht erreichen konnte, die angeblich an einer sehr interessanten Reportage arbeitet. Wenn Ihr da was zusammen macht, kannst du es mir ruhig sagen, zumindest wenn es beruflich ist und was anderes würde ich Dir nicht raten, wenn Dir Dein Bärenfell lieb ist!

Hast Du was von den zehn Waldbrandopfern gehört? In den Zeitungen steht noch nichts, die sind sowieso ziemlich dünn heute, weil wohl viele Redakteure Urlaub haben. Auch Dein Zimmernachbar ist scheinbar schon abgereist, schrieb der nicht auch manchmal was für ein ausländisches Magazin?

Frühstück bei mir!

Bis dann, Marie.

Copyright: Text von Michael Budde, Fotos von IMSI